Weilburg erinnert e. V.

Historische Akten auf dem Klinikgelände in Weilmünster gefunden

Gemeinsame Pressemitteilung der Vitos Weil-Lahn gGmbH und des Weilburg erinnert e. V.

Weilmünster, 7. August 2025 / „Wir handeln im Bewusstsein unserer Geschichte.“ So steht es im Vitos Leitbild, das für alle Vitos-Einrichtungen gilt. Einer Geschichte, die untrennbar mit den Krankenmorden in Hadamar und Weilmünster verbunden ist. Ein wichtiges Anliegen ist es Vitos Weil-Lahn, das Andenken an die dort während des Nationalsozialismus‘ getöteten Menschen zu bewahren.

Bei der Suche nach historischen Akten und anderen Gegenständen arbeiten von Vertreter/-innen von Vitos, der Gedenkstätte in Hadamar und vom Verein „Weilburg erinnert“ zusammen. Von links: Eva Jung (Unternehmenskommunikation Vitos Weil-Lahn), Dr. Esther Abel (Gedenkstätte Hadamar) und Markus Huth (Weilburg erinnert).

Aus diesem Grund suchten Vertreter/-innen von Vitos, der Gedenkstätte in Hadamar und vom Verein „Weilburg erinnert“ in Gebäuden, in Kellern und Dachböden auf dem Klinikgelände in Weilmünster nach historischen Akten, Büchern und anderen Gegenständen – mit Erfolg. „Weilburg erinnert“ ließ den Ist-Zustand der Gebäude außerdem von einem Fotografen in Bildern festhalten.

So entdeckte das Team im ehemaligen Verwaltungsgebäude in einem seit vielen Jahren nicht mehr genutzten Raum eine historische Bibliothek mit Fachliteratur und Verwaltungsunterlagen ab 1897. Bei der Suche tauchten außerdem Dienstpläne des Anstaltspersonals, Grablisten sowie Aufnahme- und Sterbebücher der Landesheil- und Pflegeanstalt aus den Jahren 1933 bis 1945 wieder auf. Es sind wichtige historische Dokumente, die seit Jahren als verschollen galten und nun wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können.

Für Dr. Esther Abel, wissenschaftliche Dokumentarin in der Hadamarer Gedenkstätte, sind die Funde echte historische Schätze. „Sogar Berichte von Psychiaterkongressen aus 1939/40 waren dabei, die der damalige Anstaltsdirektor Dr. Ernst Schneider verfasst hat. Solche Dokumente in Originalakten zu lesen ist etwas anderes als in herausgegebener Form in der Sekundärliteratur, weil nichts gekürzt oder interpretiert ist, sondern man hat sozusagen das Rohmaterial“, erklärt die Historikerin.

Markus Huth, Vorsitzender des Vereins „Weilburg erinnert“, freut sich über die gute Zusammenarbeit mit den Akteuren bei Vitos, in der Gedenkstätte und beim Landeswohlfahrtsverband, dem Träger aller der Vitos-Gesellschaften. „Die Arbeit von „Weilburg erinnert“ basiert auf der Erkenntnis, dass es notwendig ist, Fakten zu benennen, Geschehenes zu dokumentieren, nichts zu beschönigen und die Erinnerung wach zu halten. Dazu leisten diese Puzzlestücke einen wichtigen Beitrag.“

Sämtliche historische Materialien, Gegenstände und Dokumente wurden gesichert, dokumentiert und Dr. Dominik Motz, dem Leiter des Archivs des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) Hessen zur dauerhaften Aufbewahrung übergeben. Das LWV-Archiv ist das zentrale Gedächtnis des Landeswohlfahrtsverbandes und seiner Einrichtungen mit Sitz in Kassel. Es wurde im Jahr 1986 eingerichtet und hat die Aufgabe, historisch und rechtlich bedeutsames Schriftgut von den Dienststellen und Einrichtungen des LWV und Vitos zu übernehmen, zu erschließen und der Öffentlichkeit für verschiedenste Fragestellungen zur Verfügung zu stellen.

Hintergrund

In der Tötungsanstalt Hadamar wurden von 1941 bis 1945 fast 15.000 Menschen ermordet. Über 3000 Patientinnen und Patienten kamen aus der Zwischenanstalt Weilmünster in sogenannten „grauen Bussen“ in die Tötungsanstalt Hadamar und wurden dort vergast. Aber auch vor Ort in Weilmünster wurden zwischen 1937 und 1945 mehr als 3000 Menschen durch überdosierte Medikamentengabe und Nahrungsentzug getötet. Mindestens 278 Menschen wurden gegen ihren Willen sterilisiert.

Ein Gedenkstein auf dem Klinikgelände und ein 2024 geschaffenes Kunstwerk erinnern an die Krankenmorde. Seit mehreren Jahren unterstütz Vitos ein Schultheaterprojekt von Weilburg erinnert e.V. zum Thema Krankenmorde. Die Gedenkstätte Hadamar dokumentiert seit 2003 alle Namen der in Weilmünster beerdigten NS-Opfer.

Text: E. Jung / Vitos Weil-Lahn // Fotos: Vitos Weil-Lahn