Weilburg erinnert e. V.

Online-Zeitzeugengespräche

„Weilburg erinnert“ bietet für Schulen in Kooperation mit dem ISFBB Online-Zeitzeugengespräche mit Shoa-Überlebenden an.

Mit Eva Franz, Ernst Grube, Eva Weyl und Horst Bernard können noch Shoa-Überlebende von ihren Verfolgungen durch die Nationalsozialisten berichten. Das Projekt wird von Birgit Mair geleitet, die seit 2005 mehr als dreihundert Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden durchgeführt hat. Sie führt durch die Veranstaltung, bettet die Erzählungen der Zeitzeugen in den historischen Kontext ein und präsentiert Bilder, Dokumente und ggfs. auch Filmausschnitte aus deren Leben. Im Anschluss an die Veranstaltung kümmert sie sich um die Betreuung der Zeitzeugen.

Die Zeitzeugengespräche finden online über Zoom statt. Die Klasse kann sich beispielweise über ein Medienboard zuschalten.

Zeitlicher Rahmen: 90 Minuten
Gruppengröße: Nach Absprache
Alter der Teilnehmenden: Jahrgangsstufen 8 – 13
Kooperationspartner: Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung Nürnberg e. V.
Kosten: Nach Absprache, ggf. über Förderung kostenlos möglich

Kurzbiografien der einzelnen Zeitzeugen

Eva Franz wurde 1940 in Gablonz an der Neiße geboren. Als sie zweieinhalb Jahre alt war, wurde sie gemeinsam mit ihrer Familie in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort wurde ihr die Häftlingsnummer 4167 in den linken Unterarm eintätowiert. Frau Franz trägt die Nummer bis heute. Ihre Schwester kam in Auschwitz ums Leben. Gegen Kriegsende wurde Eva in das Frauen KZ Ravensbrück und in das KZ Bergen-Belsen deportiert. Die Mutter starb noch vor der Befreiung.

Ernst Grube wurde 1932 in München geboren. Seine Mutter war jüdisch, sein Vater evangelisch. Nach der Zerstörung der Münchner Hauptsynagoge im Juni 1938 wurden die unmittelbar angrenzenden Gebäude der israelitischen Kultusgemeinde in der Herzog-Max Straße „arisiert“, d.h. geraubt. Die Grube-Familie wurde aus ihrer dortigen Mietwohnung vertrieben. In ihrer Not brachten die Eltern Ernst und seine beiden Geschwister zwei Tage vor dem Novemberpogrom 1938 in ein jüdisches Kinderheim. Fast alle der dort untergebrachten Kinder wurden später von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Ernst und seine beiden Geschwister mussten ab Frühjahr 1942 in das „Judenlager Milbertshofen“, später in ein weiteres Lager in Berg am Laim bis April 1943. Drei Monate vor Kriegsende wurden die Grube-Kinder und ihre Mutter in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie bis zur Befreiung am 8. Mai 1945 inhaftiert waren. Bis heute kämpft der mittlerweile 88-Jährige, der sich früh in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes organisierte, gegen Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus. Für sein Engagement wurde er mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Georg-Elser-Preis der Landeshauptstadt München. Ernst Grube ist Präsident der Lagergemeinschaft Dachau e.V. und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bayerische Gedenkstätten.

Horst Bernard wurde 1932 in Bischmisheim bei Saarbrücken als Kind eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter geboren. Die Eltern waren im saarländischen Widerstand gegen die Nazis aktiv. Nachdem das Saarland 1935 nationalsozialistisch wurde, floh der Vater ins Exil nach Frankreich. Die Mutter wurde von den Nazis unter Druck gesetzt, ihren Ehemann zurückzuholen. Mit ihren zwei kleinen Kindern machte sie sich auf den Weg nach Luchon in den Pyrenäen, wo die französischen Behörden den Vater hingeschickt hatten. Nachdem der südliche Teil Frankreichs besetzt worden war, musste der Vater in die Illegalität untertauchen. 1944 wurde die Mutter von der Militärverwaltung verhört, die Gestapo durchsuchte ihre Wohnung. Nun musste auch sie mit den zwei kleinen Kindern untertauchen. Das 1940 auf französischem Boden geborene Brüderchen änderte den Rechtsstatus der Familie zu ihren Gunsten. Ab August 1935 lebte die Familie in Agen, so sie Hilfe von anderen erhalten hatte und anderen Geflüchteten half. Ihr ältester Sohn Horst wurde bei einem alten Ehepaar untergebracht, das mit Resistance sympathisiert hatte. Besonders belastend war für den Jungen, der in Agen ein Gymnasium besuchte, folgende Situation: Einmal in der Woche ging er zu einem bestimmten Zeitpunkt in Agen auf einem Boulevard auf und ab, um seinen Vater zu sehen. Sie gingen auf unterschiedlichen Straßenseiten und nickten sich zu. Sprechen konnten sie nicht miteinander. Im Alter von zwölf Jahren entging Horst knapp dem Tode. Er konnte fliehen, als die SS auf der Beerdigung eines bekannten Widerstandskämpfers der Resistance-Gruppe „Libération“ auf dem Friedhof in Fengarolles um sich geschossen und zahlreiche Menschen verhaftet hatte. Horst Bernard lebt heute wieder im Saarland. Herr Bernard spricht deutsch und französisch und engagierte sich auch in der Nachkriegszeit gegen Alt- und Neonazis. Seit April 2021 beteiligt er sich an unserem Zeitzeugenprogramm. (Zuschaltung telefonisch oder falls organisierbar auch mit Bild über Zoom).

Screenshot: Weilburg erinnert e. V. mit Genehmigung des ISFBB